Gefühle
Ich darf nicht schwach sein!
Diesen Satz habe ich früh verinnerlicht, weil ich gelernt habe, dass mir Stärke Anerkennung und Sicherheit geben kann.
Im letzten Post habe ich geschrieben, dass Selbstregulation nicht nur Gedanken braucht. Heute geht es deshalb um Gefühle.
Der obenstehende Glaubenssatz hat mich mein Leben lang begleitet und tut das auch heute noch in abgeschwächter Form.
Viele von uns treffen dann irgendwann in ihrem Leben die Entscheidung, die mit solchen Glaubenssätzen verknüpften unangenehmen Gefühle nicht wahrhaben zu wollen.
In meinem Burnout vor 3 Jahren habe ich dann gelernt, dass ich unangenehme Gefühle nicht wegdrücken darf.
Meine Reaktion darauf: Was soll ich denn sonst damit machen?
Die Antwort darauf: Selbstmitgefühl zeigen.
Wir alle kennen es, wenn kleine Kinder traurig oder wütend sind.
Das einzige, was sie dann oft brauchen ist ein anderer Mensch, der Mitgefühl zeigt und für sie da ist.
Genauso ist das auch im Erwachsenenalter noch.
Manche werden laut, wenn sie wütend sind.
Andere werden leise, wenn sie traurig sind.
Wieder andere ziehen sich zurück, funktionieren weiter oder versuchen, nichts zu fühlen.
Die Wut oder Trauer, die wir als Erwachsene spüren ist meist nicht nur auf die Gegenwart bezogen.
Sie ist oft auch verknüpft mit Referenzerfahrungen und Glaubenssätzen aus der Vergangenheit.
Die Übung, die mir in diesem Zusammenhang am meisten geholfen hat ist die wissenschaftlich gut erforschte und aus dem Buddhismus entliehene Selbstmitgefühls-Praxis von Kristin Neff. Hierfür gehe ich innerlich drei Schritte durch:
1. Es ist okay: Gefühl benennen & fühlen.
2. Ich bin nicht alleine: Selbstmitgefühl zeigen.
3. Ich sorge für mich: Freundlich mit mir umgehen.
Im Grunde genommen mache ich mit mir dasselbe, was ein Erwachsener machen würde, um ein Kind zu beruhigen.
Diese Übung mache ich nach Konflikten, während anstrengender Meetings oder wenn ich irgendwo ein unangenehmes Gefühl, wie Wut, Trauer, Angst, Scham oder Schuld wahrnehme: Ich nehme mich selbst innerlich in den Arm.
In meinen Vorträgen zur Burnout-Prävention sprechen wir deshalb auch viel über Gefühle und die Art und Weise damit umzugehen. Eine Hilfestellung dabei ist immer auch mein Gefühlskompass, der die wichtigsten Ebenen der Selbstregulation abbildet: Gedanken, Gefühle und Körper.
Mehr Informationen dazu in meinem Post zum Gefühlskompass:
Der oben beschriebene Umgang mit den eigenen Gefühlen ist eines der Werkzeuge im Gefühlskompass.
Welche Gefühle sind für dich am unangenehmsten?
Schreib mir gern oder hinterlass einen Kommentar. Ich freue mich auf das Gespräch!
#BurnoutPrävention #Coaching #Gefühlskompass